Deutsche Post DHL Geschäftsbericht 2013

Geschäftsbericht 2013

Vom Laufsteg in den Laden

Maßgefertigte Logistik

Alles am richtigen Platz: Transparenz
und Kontrolle sind gefragt, nicht nur im
Hochregallager, sondern auch entlang
der gesamten Lieferkette.

Zwölf Kollektionen für elf Linien produziert
Tom Tailor jedes Jahr.

Tom Tailor vertreibt seine Waren über den
Einzel- und Großhandel sowie über
Online-Shops in heute 21 Ländern.

Mode ist ein schnelllebiges Geschäft. Was heute noch reißenden Absatz findet, kann schon morgen ein Ladenhüter sein. Der E-Commerce hat dies noch einmal verschärft: Kunden kaufen heute ein, wann und wo immer sie wollen. Die Zeitfenster, in denen neue Ware angeboten werden muss, werden kleiner. Für Logistikanbieter wie DHL lautet die Herausforderung: Die Prozesse müssen immer schneller werden, bei möglichst geringen Kosten.

Erforderlich sind mehr Beweglichkeit und eine optimale Kostenstruktur – in der Modelogistik wie auch bei den Herstellern. Das ist das Fazit einer DHL-Studie. Sie basiert auf den Ergebnissen einer „Fashion Master Class“, zu der DHL im Mai 2013 Logistikverantwortliche von Modemarken wie Adidas, Levi Strauss & Co und der Tom Tailor Group eingeladen hatte. Die Schlussfolgerung lautet: Die Branche muss ihre Lieferketten überdenken – gefragt sind mehr denn je Schnelligkeit, Flexibilität, Reaktionsfähigkeit und Kontrolle.

Die Autorin der Studie, Lisa Harrington von lharrington group LLC, einer auf Supply-Chain-Strategien spezialisierten Beratungsgesellschaft, sieht mehrere Entwicklungen, die die Modelandschaft von Grund auf verändern werden.

Die Trennung zwischen online und offline verschwindet

Dazu zählt besonders das „Omni-Channel-Retailing“ – der parallele Einkauf über stationäre und elektronische Kanäle. „Inzwischen wird jede zehnte Online-Bestellung aus einer Filiale verschickt, weil Kunden Artikel im Laden sehen und dann mit dem Mobilgerät bestellen“, erklärt Marcel Beelen, Vice President Business Development, Fashion & Lifestyle Europe bei DHL. Ob nach Hause, in die Filiale oder an eine andere Abholstelle geliefert werden soll, auch das kann der Käufer entscheiden.

Dieses Kaufverhalten hat das Bestandsmanagement grundlegend verändert. „In der Vergangenheit hielten die Marken die On- und Offline-Welt häufig getrennt, separate Systeme und Lagerbestände waren die Norm“, so Beelen. „Heutzutage besteht ein starker Wunsch, beide Umgebungen in einem einzigen System zu bündeln und aus einem Lagerbestand zu bedienen.“ Über Tracking-Systeme kann der Händler jederzeit sehen, an welcher Stelle in der Lieferkette sich ein bestimmter Artikel gerade befindet. So können Güter, die noch auf dem Weg sind, quasi als vorrätiger Bestand betrachtet und effektiv an Kunden verkauft werden.

Eine Herausforderung für die Logistik

„Transparenz und Kontrolle bei Bestand und Warenfluss sind entscheidende Herausforderungen für die Logistik“, meint auch Carsten Schmelting, der bei dem deutschen Bekleidungshersteller Tom Tailor für das Supply-Chain-Management verantwortlich ist. Das Unternehmen produziert zwölf Kollektionen pro Jahr für seine elf Linien. Die Artikel werden vorwiegend in Asien gefertigt und über den Einzel- und Großhandel sowie zunehmend auch über Online-Shops in heute 21 Ländern vertrieben. DHL ist seit 2008 als Third-Party-Logistiker für große Bereiche der Tom Tailor Group tätig.

Der Online-Umsatz von Tom Tailor wächst ebenso wie das stationäre Vertriebsnetz. Die beiden Kanäle werden immer enger miteinander verknüpft. Derzeit wird geprüft, ob Kunden zum Beispiel ihre online bestellten Artikel auch im Laden zurückgeben können. Doch das wirft Fragen auf: Sollen diese Artikel in den Bestand der Filiale vor Ort aufgenommen oder in ein zentrales Lager gebracht werden? Schmelting: „Hier geht es um eine ganze Reihe neuer Abläufe und Buchungsverfahren sowie um wichtige finanzielle Fragen.“

Das Tempo zieht weiter an

Ein weiterer Trend in der Modebranche heißt „Fast Fashion“. Inditex, die Muttergesellschaft von Zara, hat die neue Methode des sogenannten disruptiven Einzelhandels erstmals eingeführt. Anstatt mit langer Vorlaufzeit riesige Bestände in entlegenen Werken fertigen zu lassen und zu hoffen, dass sie sich gut verkaufen, fertigen die Händler hierbei kleine Artikelmengen in nahegelegenen Werken mit sehr kurzen Produktions- und Lieferzeiten. Verkauft sich ein Artikel gut, lassen sich rasch größere Mengen produzieren und liefern. Wenn nicht, müssen weniger Bestände im Preis reduziert werden. „In der Vergangenheit gab es jährlich zwei Saisonwechsel. Heutzutage werden die Auslagen alle vier Wochen ausgetauscht“, berichtet Marcel Beelen von DHL. Tom-Tailor-Manager Schmelting bestätigt: „Mode war zwar schon immer ein schnelles Geschäft, aber auch wir haben die Zeit zwischen der Konzeption einer Kollektion und deren Auslieferung in den vergangenen zehn Jahren deutlich verkürzt, um dichter am Trend zu sein.“

DHL übernimmt Management der gesamten Lieferkette

Tempo allein macht aber noch keine erfolgreiche Modelogistik aus: Qualität und Kostenkontrolle sind ebenfalls wichtig. „Letztlich müssen wir diese drei Aspekte in Einklang bringen“, sagt Schmelting. Dies geht nur durch genaue Planung, kontinuierlich verbesserte Abläufe, innovative Lösungen wie RFID-Etiketten und eine Automatisierung auf dem neuesten Stand der Technik. Auch die sorgfältige Prüfung der Schnittstellen ist wichtig: Zwischen dem Einkauf der Rohstoffe und der Auslieferung der fertigen Ware sind es viele kleine Schritte, bei denen schlechte Übergaben oder fehlende Informationen Zeit und Geld kosten. Dank langjähriger Erfahrung und ausgeklügelter Supply-Chain-Management-Systeme schützt DHL seine Kunden aus der Fashion-Branche vor Problemen wie diesen – und stellt sicher, dass die neueste Mode stets zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist.

© 2014 Deutsche Post AG
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